
Die einzigen, die heute noch ungestraft und weitgehend unironisiert loben dürfen, ohne deshalb als Trottel und als unkritische Zeitgenossen charakterisiert zu werden, sind die Leute in der Werbe- und in der Public-Relations-Branche. Sie sind die Theologen der heutigen Zeit. Deshalb, wenn ich so professoral-didaktisch sein darf, machen Sie sich, wenn Sie mögen, klar, was es heißt, ungestraft über das Privileg zu verfügen, loben zu dürfen, ohne als nicht satisfaktionsfähig zu gelten." Gewagte These, die Prof. Dr. Hörisch da auf der see conference im letzten Jahr aufgestellt hat.
Und auf ähnliche Statements darf man auch in diesem Jahr gespannt sein. Was aber viel wichtiger ist: Das Thema der see conference #3 hat Relevanz: Gestalter und Designer müssen heutzutage extrem genau hinsehen, was sie vermitteln sollen. Sie geben Produkten bzw. Inhalten eine Form und interpretieren somit für den Kunden die Wirklichkeit. Folglich tragen sie gesellschaftliche Verantwortung. Je komplexer die Botschaften, desto größer auch die Herausforderung, diese Informationen zu übermitteln, sie so aufzubereiten, dass sie interessant und verständlich sind – im Sinne von aufklären statt verklären. Welche neuen Ansätze entwickeln sich in Design, Kunst, Architektur, Multimedia und Wirtschaft, um der Komplexität zu begegnen und die Flut von Informationen in verwertbares Wissen zu verwandeln.
Die see conference #3 findet am 19. April 2008 in Wiesbaden statt. Es sprechen:
Dr. Fritz Reusswig, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: "Der Klimawandel als Kommunikations- und Gestaltungsaufgabe"; Ben Fry, Designer, cambridge: "Visualizing Data"; Frank van Ham, IBM Visual Communication Lab, Cambridge: "Social Collaboration around Visualization"; Julien De Smedt, JDS Architects, Kopenhagen: "Perception of Space"; Zachary Lieberman, Performance-Künstler, New York: "Making the Invisible Visible"; Bruce Sterling, Science-Fiction-Autor, Turin: "When is the Visualization better than the Thing?".